Mehrere Dozenten der Universität unterzeichnen homophobe Petition: Hochschul-Piraten schreiben Offene Briefe

homophobieEine Online-Petition in Baden-Württemberg mit ca. 68.000 Unterschriften verlangt die Rücknahme des Vorhabens der Landesregierung »Akzeptanz sexueller Vielfalt« als Ziel des Bildungsplanes festzuschreiben. [1] Unter den Mitzeichnenden befinden sich auch mehrere Lehrbeauftragte und teilweise emeritierte Professoren der Universität Heidelberg. Aus diesem Anlass hat die Piraten Hochschulgruppe einen Offenen Brief verfasst.[2]

Sehr geehrte Frau Rebecca Laffin und sehr geehrte Herren Tobias Dangel, Dr. Ulrich Diehl und Dr. Winfried Klein,

Sie haben eine Online-Petition mitgezeichnet [1], die sich gegen die Pläne der Baden-Württembergischen Landesregierung wendet, welche »Akzeptanz sexueller Vielfalt« als Ziel im Bildungsplan 2015 festschreiben soll.

Für uns, die Piraten-Hochschulgruppe, ist die Akzeptanz sexueller Vielfalt, also von Homosexualität, Transsexualität, Intersexualität und Bisexualität, eine Selbstverständlichkeit. Deshalb unterstützen wir den Plan der baden-württembergischen Landesregierung, der deutlich von der  bisherigen heteronormativen Politik abrückt. Wir halten dies für sehr begrüßenswert und überfällig.

Als Unterzeichner*in dieser Petition haben Sie gezeigt, dass Sie die sexuelle Vielfalt unserer Gesellschaft ablehnen und Menschen ihre sexuelle Orientierung und Identität absprechen. Sie unterstützen damit, dass Jugendliche seitens des Staates in ihrer Entwicklung eingeschränkt werden. Das kritisieren wir.

Mit Ihrer Unterschrift für eine solche Petition beschädigen Sie als Lehrkraft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg nicht nur das Vertrauensverhältnis zu Ihren Studierenden, sondern in gleichem Maße auch zu Ihren Kollegen. Ihre Haltung ist für alle diese Menschen ein Schlag ins Gesicht.

Die Universität ist ein Ort der Vielfalt, an dem Menschen jedweger sexueller Orientierung und Identität frei und ohne Angst vor Diskriminierung zusammenkommen sollen. Wir fordern Sie daher auf, eine Stellungnahme zu Ihrer Unterstützung der Petition abzugeben und die Unterschrift aus Respekt gegenüber Ihren Mitmenschen zurückzunehmen.

In der Hoffnung auf ein Einsehen,

Stevan Ćirković

für die Piraten Hochschulgruppe

Ein weiteres Schreiben ging an das Rektorat.[3] Dazu erklärt Studierendenrats-Abgeordneter Stevan Ćirković:

»Für uns steht außer Frage: Exzellenz braucht Inklusion, nicht Ausgrenzung. Ich habe deshalb Rektor Bernhard Eitel im Namen der Uni-Piraten dazu aufgefordert, öffentlich klarzustellen, dass die Universität in jeder Hinsicht ein Ort der Vielfalt ist. Wenn Lehrende ihren Kollegen und Studis das Recht auf sexuelle Orientierung und Identität absprechen, dann steht das im direkten Widerspruch des Uni-Mottos: Semper Apertus – immer offen.«

Unter den Mitzeichnenden befinden sich auch der CDU-Kreisvorstand, Alexander Föhr, der CDA-Kreisvorsitzende Segner und die Bezirksbeirätin Tatjana Miriam Hasse (Bunte Linke/ Die Linke). »Wer nicht bereit ist, die Gesellschaft in ihrer Vielfalt zu vertreten, der hat in der Politik nichts verloren,« so Ćirković, der für die Piraten auch bei der Europawahl im Mai antritt.

[1]
https://www.openpetition.de/petition/online/zukunft-verantwortung-lernen-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens
[2] Offener Brief (Lehrende): https://www.dropbox.com/s/vrdjlfktfjclxhv/Offener%20Brief%20Lehrende.pdf
[3] Offener Brief (Rektor): https://www.dropbox.com/s/0jfjv01cpf4lgo9/Offener%20Brief%20Rektor.pdf

Liste aller Universitätsangehörigen, die die Petition gezeichnet haben:

  • Prof. Dr. emer. Walter Berschin, Mittellatein
  • Prof. Dr. emer. Peter Leins, Centre for Organismal Studies (COS)
  • Prof. Dr. Peter Fiedler, Psychologisches Institut
  • Prof. Dr. rer. nat. Hermann Schneider, Fakultät für Physik und Astronomie
  • Tobias Dangel, Lehrbeauftragter Philosophisches Seminar
  • Dr. Ulrich Diehl, Lehrbeauftragter Philosophisches Seminar
  • Rebecca Laffin, Lehrbeauftragte Romanisches Seminar
  • Dr. Winfried Klein, Lehrbeauftrager Juristische Fakultät

Nachvollziehbar unter:
https://www.openpetition.de/petition/unterzeichner/zukunft-verantwortung-lernen-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens?seite=50

Ein Gedanke zu „Mehrere Dozenten der Universität unterzeichnen homophobe Petition: Hochschul-Piraten schreiben Offene Briefe

  1. Gott sei Dank! Wenn keiner die Petition unterschreiben würde, wären wir gerade ein Land, das nicht vielfältig ist. Auch Piraten sollten Demokratie verstehen und zulassen, dass andere Meinungen auch öffentlich vertreten werden müssen. Es muss auch möglich zu sein zu sagen, die Erde ist eine Scheibe. Blöd aber erlaubt zu sagen

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